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2007-04-22 - Donaufestival 07 Wochenende 1 - David Tibet Project [less]

Foto (c) Florian Wieser/donaufestival
Freitag und Samstag stehen, jedenfalls soweit es das musikalische Programm betrifft, ganz im Zeichen von David Tibet. Dieser wickelt sein fein gesponnenes Netzwerk aus langjährigen Kollaborateuren, Wegbegleitern und Freunden um die beiden Spielorte Minoritenkirche und Messehalle und schnell kann es passieren, schon verheddern sich Musikredakteure mit einer gewissen Affinität zu Musik als Handwerk ordentlich im Dickicht aus 25 Jahren Veröffentlichungswut und Umtriebigkeit. Da klemmen die engen Schubladerln plötzlich und ein entsprechend verzweifelter Erlebnisbericht fand sich schließlich auch in der Montagausgabe eines rosaroten Qualitätsblattes aus Österreich. Nun ja.
Doch das nur nebenbei.
Es gibt wichtigeres.
Viel wichtigeres. Nämlich diese Konzerte, denen man mit fortschreitendem Alter nur noch mit drastisch abnehmender Häufigkeit beiwohnen darf. Die, bei denen es keinen Unterschied macht, ob die Band jetzt zehn Minuten oder drei Stunden spielt. Bei denen es nur noch die Musik und einen selber gibt, hier und jetzt. Und so ein Konzert hat an diesem Wochenende in Krems statt gefunden. Und ja, es waren noch einige andere großartige Auftritte dabei. Current 93 zum Beispiel, und das sowohl als erweitertes Orchester inklusive einem mitreißenden David Tibet am Freitag, wie auch als reduzierte aber gleichwohl kraftvolle akustische Zwiegespräche einzelner Mitglieder daraus am folgenden Tag in der Minoritenkirche. Das atavistische Klangschürfen von SunnO))), die in den Untiefen verzerrter Gitarren- und Basssaiten ihre Sisyphos-Arbeit verrichten. Die italienischen Post-Rocker Larsen, denen Jóhann Jóhannsson isländisch-symphonische Flügel verlieh. Und natürlich die großen, die einzigartigen Nurse With Wound, sperrige Schönheit. Aber all das sollte verblassen gegen Fovea Hex. Schon die beiden auf Die Stadt erschienenen EPs »Huge« und »Bloom« waren im Vorjahr ein unerwartetes Fest für Freunde des etwas weniger offensichtlichen Ambient. Unter Mitwirkung von Andrew McKenzie (Hafler Trio), Brian Eno, Carter Burwell und, hier schließt sich der Kreis, Colin Potter, langjähriges Teilzeitmitglied von Nurse With Wound, verbreitete das in Dublin verwurzelte Frauentrio rund um Ausnahmestimme Clodagh Simonds (unter anderem Gründungsmitglied von Mellow Candle) in zwei mal zwanzig Minuten währenden Dröhnminiaturen verhaltene Erhabenheit mit einer ungewöhnlichen Mischung aus sanften Ambientwolken, traditionellem Songwriting und experimentellem Instrumentarium. Im Zuge der samstäglichen Liveumsetzung dieses Materials tauchte das um einen Cellospieler verstärkte Ensemble diese vorsichtig angedüsterten Soundscapes mit unglaublicher Behutsamkeit in ein spröde schimmerndes Zwielicht aus zerbrechlichen Klangflächen und dem sphärischen Gesang von Clodagh Simonds, Laura Sheeran und Lydia Sasse. Und während die instrumentalen Beiträge (Klavier, Akkordeon, Laptop…) dabei graduell zu hellen Drones in den Hintergrund vertauchten, gerannen die Stimmen zum wohl schönsten, unkitschigsten und direktesten Vocal-Ambient, den ich je vernehmen durfte. Überirdisch.
» Donaufestival
[Tobias Bolt]
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