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Das große Verdienst von Christian Fennesz war und ist es stets, sich nicht mit bloßer Präsentation von Möglichkeiten seines Materials zu begnügen. Statt lediglich abstrakte Oberflächen zu entwerfen, schürft er lieber tiefer, ist vielmehr am eigentlichen Prozess, Umwege und Fehler mit eingeschlossen, interessiert. So legt er Strukturen frei, verschmilzt sie auf der Suche nach Schönheit und begräbt sie erneut unter feinsten Schichten digitalen Lärms. Die Ergebnisse sind vielfältig, reichen von radikal abgemagerten Bearbeitungen diverser Klassiker und spartanisch reduziertem Ambient bis zu zwischen abendrot und tiefgrau schillernden Popsongs. Mit vorliegendem Album begibt er sich in fast schon symphonisch zu nennende Gefilde.
Und es ist, auch wenn zu Beginn eine kurze Gesichtskontrolle ansteht, sein insgesamt wohl sanftestes. Schon das Titelstück ruft auf angenehmste Weise die verschiedensten Facetten seiner Musik in Erinnerung, bleibt über gut zehn Minuten Spieldauer voller Dynamik und Spannung und geht ohne weiteres in das ebenfalls episch angelegte »The Colour of Three« mit seinen sägend-verzerrten Gitarrenschleifen über. Aus diesen klöppelt sich schlussendlich Anthony Pateras per präpariertem Klavier in Richtung Stille. Labelkollege Rosy Parlane ist übrigens der zweite Gastmusiker und im etwas düsteren, an zentraler Stelle verankerten »Glide« an dessen wunderbaren Klimax wohl maßgeblich beteiligt.
Die insgesamt acht Stücke wirken in ihrer Gesamtheit viel geschlossener und stimmiger als der Vorgänger »Venice«. Trotzdem besitzen sie, oft schon durch ihre schiere Länge, jeweils ganz speziellen Charakter – ohne jedoch das bekannte Terrain wirklich zu verlassen. Es scheint, als hätte Fennesz seine Methoden noch einmal verfeinert, beinahe unmerklich erweitert, seinen unverkennbaren Stil auf die Spitze getrieben. »Black Sea« will laut gehört werden. Es ist ein wuchtiges und dynamisches Album zwischen überbordenden Texturen und plötzlicher Stille, jederzeit voller Zwischentöne. Christian Fennesz lässt sich nun alle Zeit der Welt, doch immer wieder findet er – und damit auch wir: die Eleganz der Dissonanz, die Schönheit im Lärm.
» Touch
[Tobias Bolt]
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