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2008-11-12 - Review - »Labyrinthitis« by Jacob Kirkegaard on Touch [less]

Für »Labyrinthitis«, nach »Eldfjall« und »4 Rooms« bereits seine dritte Release auf Touch, richtet Jacob Kirkegaard seine Ohren und die der geneigten Hörer nach Innen. Genauer: ins Innenohr und seinen Haarzellen. So unglaublich es auch klingen mag: alle Klänge auf diesem Album wurden vom Ohr des Künstlers erzeugt, was es buchstäblich möglich macht, Kirkegaard beim Akt des Hörens zuzuhören. Und es kommt noch besser: man kann sich, während man das tut, auch selbst beim Hören zuhören. Hört sich verrückt an?
Es funktioniert in etwa so: werden dem menschlichen Ohr gleichzeitig zwei Sinustöne mit definiertem Frequenzverhältnis vorgespielt, so erzeugt es, genauer feine Härchen im Innenohr, einen weiteren Ton. Mit speziellen Mikrofonen kann dieser aufgenommen werden und genau das hat Kirkegaard hier gemacht. Mit jeweils zwei von diesen Tönen erzeugt er also besagten Effekt auch beim Hörer selbst, der nun, quasi in seinem Kopf, einen weiteren Ton hört, den seiner Ohren.
Das ist aber erst die halbe Miete. Die Frequenz dieses, des erzeugten, Tones lässt sich nämlich vorher ausrechnen und so spielt ihn auch Kirkegaard einfach nachdem er die beiden ursprünglichen Töne verklingen hat lassen - der Hörer hört sich selbst ein weiteres Mal. Nach einiger Zeit koppelt er diesen Ton erneut mit einem dazu passenden, was, erraten, wiederum zu einem weiteren, genuin aus dem Ohr des Hörers stammenden Ton führt. Die entstehenden Töne sind dabei immer von tieferer Frequenz und so bewegt sich die Komposition in einem stetigen Sinuskanon abwärts.
Dem Album liegt übrigens ein sehr informatives Booklet bei, in dem das alles sehr ausführlich besprochen wird. Etwas überspitzt zusammengefasst lässt sich jedoch sagen: auf »Labyrinthitis« kann man Jacob Kirkegaard und sich selbst beim Hören zuhören. Das ist lustigerweise so spannend wie es sich anhört, vor allem wenn man durch anlegen der Hände ein wenig mit Form und Fläche seiner Ohrmuscheln experimentiert, was den tatsächlich interaktiven Charakter dieser Veröffentlichung noch verstärkt. Ein ungewöhnliches, einzigartiges Albumkonzept, das sich in einem beeindruckend schönen Hörerlebnis manifestiert.
» Touch
[Tobias Bolt]
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